Der Bürger darf beim ISEK mitreden

ISEK in Heinersreuth

Ideenzettel der Bürger an der Pinwand

ISEK-Auftaktveranstaltung in der Schulturnhalle

Die Erstellung eines “integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts” bringt für die Kommune den Vorteil, für geplante Maßnahmen der Ortsentwicklung Fördermittel zu beantragen. Ein wesentlicher Bestandteil des Entwicklungskonzepts besteht darin, den Bürger bei der Maßnahmenentwicklung mitreden zu lassen. Den ersten Schritt dazu ging die Gemeinde mit der öffentlichen Auftaktveranstaltung am 18. Juli in der Schulturnhalle in Heinersreuth. Die Verwaltung hatte alle Einwohner mit Postkarten, per Anzeige im Mitteilungsblatt und über einen Presseartikel im Nordbayerischen Kurier informiert und eingeladen.

Auf die Vereine ist Verlass

Vorweg gesagt, eine Massenveranstaltung wurde der ISEK-Auftakt nicht gerade. Die rund zweihundert Stühle waren etwa zu einem Drittel besetzt, darunter auch mit einigen Angestellten der Verwaltung, den Bürgermeistern und wenigen Gemeinderäten. Verlassen kann sich Bürgermeisterin Simone Kirschner dagegen auf die Mitglieder der örtlichen Vereine, egal ob Sportvereine, Feuerwehr oder Gesangverein. Sogar die einzigen Jugendlichen in der Turnhalle kamen nicht losgelöst. Die vier jungen Leute waren als Vertreter der Landjugend Unterkonnersreuth/Cottenbach dabei. Auch einige Mitglieder der Bürgerinitiative gegen die Ortumgehung waren neugierig auf die Ausführungen des Projektleiters.

Vorbereitende Gesprächsrunden am Montag

ISEK-Projektleiter Jens Gerhardt

Projektleiter Jens Gerhardt

Projektleiter Jens Gerhardt von der Leipziger Firma UMS gliedert das Projekt in die Teilbereiche Analyse, Ziele, Strategie und Umsetzung. Die Tage von Montag bis Mittwoch galten der Bestandsaufnahme und weiteren Analyse. Gerhardt schlug vor, die folgenden vier Hauptbereiche in den Mittelpunkt zu stellen: 1) Bauen.Baukultur.Mobilität, 2) Wirtschaft.Tourismus, 3) Daseinsvorsorge und 4) Freiraum. Die Ideenblöcke sind nicht fest abgegrenzt. So zeigte sich bei der Diskussion um die B85, wie dieses Thema in verschiedene Lebensbereiche einwirkt. Zur Vorbesprechung und Ideensammlung am Montag, 16.7.18, hatte die Bürgermeisterin Bewohner aus dem Gemeindegebiet und externe Fachleute getrennt nach den Ideenblöcken diskutieren lassen. So verwunderte es nicht, dass bereits einige bunte Zettel an den Pinnwänden in der Turnhalle steckten.

Weitere Ideensammlung an den Informationstafeln in der Turnhalle

Die Ideensammlung aus der Vorbereitungsrunde sollten die Bürger nun am Mittwoch Abend weiter ergänzen. Um das Projektziel “Entwicklung von Heinersreuth bis zum Jahre 2030” mit möglichst vielen Daten zu unterfüttern, bat Jens Gerhardt darum, auch auf den ersten Blick “verrückte Ideen” aufzuschreiben. Eine Stunde blieb Zeit, um die Stationen zu besuchen, die Vorinformationen aufzunehmen und eigene Gedanken aufzuschreiben. Zur Unterstützung und Beratung standen an jeder Station zwei Leute aus der Verwaltung bereit. Die Standbetreuer durften später in der Schlussrunde die neu hinzugekommenen Gedankenblitze der Bürger vortragen.

Hauptthema Demografie und Siedlungsentwicklung

Die grafische Darstellung der Bevölkerungsentwicklung zeigt auf, dass Heinersreuth aus sich heraus nicht wachsen kann. Es sterben mehr Menschen, als geboren werden. Zur Verjüngung der Bevölkerung braucht es Zuzug von jungen Familien. Doch wo sollen diese wohnen? Eine Flächenausdehnung mit neuen Baugebieten scheint derzeit nicht mehr möglich. So gilt es, über andere Wohnformen nachzudenken und Ideen dafür zu sammeln. Wie können bestehende Siedlungen und Häuser aufgewertet werden (Stichwort: Nachverdichtung) oder wo lässt sich Geschosswohnungsbau ermöglichen? Die Idee: Mietwohnungen im Nahbereich von Bayreuth könnten junge Leute anziehen. Für Senioren sollten Übergänge zwischen dem Leben im eigenen Haus und im Altersheim geschaffen werden (Stichworte: Betreutes Wohnen oder Mehrgenerationenhäuser). Zur Siedlungspolitik gehört auch die Mobilität und Nahversorgung. Gute Busverbindungen gibt es auf der Hauptlinie bereits, zumindest an Werktagen. Die kleinen Ortsteile wie Cottenbach, Unterkonnersreuth und Neuenplos sind aber noch nicht in den öffentlichen Nahverkehr einbezogen. Die Lebensmittelversorgung sollte noch verbessert werden. Hier steht die Idee des Dorfladens in Altenplos weiterhin im Raum.

Wirtschaft und Tourismus

Der Weiterbau des Radweges von Heinersreuth nach Altenplos steht auf der Wunschliste ganz oben. Ein junger Familienvater sieht großen Bedarf für den Radweg von Cottenbach nach Bayreuth, eventuell sogar von Cottenbach nach Heinersreuth. Die gute Entwicklung der E-Bike-Nutzung sollte den Radtourismus beflügeln. Wie kann Heinersreuth davon profitieren? Wie lässt sich das Angebot der Gastronomie noch verbessern? Sollte eine Ladestation für E-Bikes aufgestellt werden? Wer erklärt sich zuständig für eine bessere Beschilderung an den Radwegen?

Die Landschaft als Pfund

Eine große Stärke von Heinersreuth ist seine natürliche Umgebung. Dabei sticht zuerst die Mainaue ins Auge. Für Wanderer bietet sich der Mainaugenweg an; für Radler der Radweg entlang der Aue. Viel zu wenig beachtet wird das zusammenhängende Waldgebiet zwischen Heinersreuth/Altenplos und Donndorf/Eckersdorf/Thurnau. Fünf ausgeschilderte Wanderwege laden zum Wandertourismus ein. Der Heinersreuther Wanderverein zeigt sich in dieser Hinsicht sehr rührig. Nur müssen diese Naturschätze besser “verkauft” werden, war die Ansicht mancher Bürger. Ein Zettel an der Pinwand zeigte den Wunsch nach einem Naturbadeteich auf. Auch den Kanusport könnte sich ein Bürger in der Gemeinde vorstellen.

Der nächste Schritt: die erste Bürgerwerkstatt trifft sich am 26. September

Gegen Ende der Veranstaltung zeigte Jens Gerhardt den Fortgang des ISEK auf. Im Herbst sollen die Bürger wieder zusammenkommen. Im Rahmen der “Bürgerwerkstatt” wird die Analyse weiter fortgeführt und anschließend erste Ziele und Maßnahmen abgeleitet. Zwischen den Bürgerwerkstätten trifft sich die Lenkungsgruppe mehrmals. Das fest besetzte Gremium aus Fraktionsvorsitzenden, Mitarbeitern der Verwaltung und Bürgermeisterin unterstützt den Projektleiter bei der Organisation. Der erste Termin für die Bürgerwerkstatt steht schon fest: Mittwoch, 26. September 2018. Ort und Uhrzeit werden noch bekannt gegeben. Wer mitmachen will, müsste sich im Rathaus anmelden.

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