Klimaschutz vor Ort gestalten

Infotafel beim Workshop Wandelwerkstatt

Workshop Wandelwerkstatt im Forum 1.5 an der Universität Bayreuth am 26./27.4.2019

Das Forum 1.5 lud in die Wandelwerkstatt ein

Die Erderwärmung soll auf maximal 1,5 Grad Celsius begrenzt bleiben. Dieses Ziel vor Augen lädt das Forum 1.5 interessierte Bürger, Kommunalverantwortliche, Wissenschaftler und Studierende zweimal im Jahr an die Universität Bayreuth ein. Zur Frühjahrstagung traf sich Ende April 2019 eine bunte Mischung aus Jung und Alt im Gebäude NW III. Die “Wandelwerkstatt” bearbeitete in fünf Gruppen folgende Themen: 1) Kommunale Weichen stellen, 2) Für den Wandel mobilisieren, 3) Mit Visionen in die Zukunft, 4) Gemeinwohlökonomie umsetzen und 5) Sinnstiftend vernetzen. Die Ergebnisse von Workshop 1 werden nachfolgend näher erläutert.

Die Kommune kann zum Klimaschutz in verschiedenen Rollen beitragen

Zum Einstieg in das Thema “Kommunale Weichen stellen” zeigte Dr. Sabine Hafner die unterschiedlichen Rollen auf, welche Kommunen im Hinblick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit einnehmen können. Kommunen sind je nach Größe, Verbraucher und Vorbild, Planer und Regulierer, Versorger und Anbieter, Berater und Promoter oder Supporter und Vernetzer. So kann die Stadt oder Gemeinde als Verbraucher selbst Vorbild sein, z.B. über eine nachhaltige Beschaffung, eine energetische Sanierung des Rathauses oder über einen klimafreundlichen Fahrzeugpark. Als Planungs- und Regulierungsinstanz kann sie z.B. Klimaschutz in der Bauleitplanung betreiben, ressourcenschonende Siedlungsstrukturen fördern oder über die Verkehrsplanung einwirken. In größeren Städten ist die Kommune über eigene Stadtwerke selbst Versorger und kann z.B. Ökotarife anbieten oder Nahwärmenetze unterstützen. Als Berater und Promoter führt die klimafreundliche Kommune Energiesparberatungen durch oder entwickelt eine zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit. Als Supporter und Vernetzer mobilisiert sie bürgerschaftliche Initiativen, wiederbelebt lokale Agendaprozesse oder gibt Impulse in Vereine oder Verbände.

So können engagierte Bürger den Transformationsprozess anstoßen

Der Aspekt, wie Bürgermeister und Stadträte zum richtigen Handeln in Bezug auf die erforderlichen Veränderungen für eine Nachhaltigkeitstransformation gebracht werden können, wurde im Plenum ebenfalls diskutiert. Hierzu einige Beispiele: Bürger können sich, ähnlich wie dem Transition-Town-Ansatz, als Pioniere des Wandels zusammenfinden. Sie könnten als Gruppe einen Bürgerantrag stellen. Dabei könne es sinnvoll sein, bereits im Vorfeld des Antrags Gespräche mit den Vertretern der Fraktionen, mit dem Bürgermeister bzw. mit Vertretern der Verwaltung zu führen, um sich einer grundlegenden Unterstützung gewiss zu sein. Alternativ könne im Rah­men einer turnusmäßig verpflichtend durchzuführenden Bürgerversammlung dort ein Antrag auf Befassung des Stadt- oder Gemeindesrates mit dem Thema Nachhaltigkeits­transformation gestellt werden. Wichtig sei, von Beginn an auf eine möglichst breite Beteiligung zu setzen und den Prozess durch aktive Öffentlichkeitsarbeit zu begleiten. Sinnvoll sei dabei, bestehende Bürgervereine und Ini­tiativen mit ins Boot zu holen.

Gruppen sollten nicht auf Konfrontation zur Kommunalpolitik gehen

Ein Transitionmanager aus dem Landkreis Bamberg empfahl, möglichst nicht in Konfrontation zur praktizierten Politik zu argu­mentieren sondern versuchen, zu integrieren. Es sollten Angebote formuliert, Alternativen aufgezeigt und vor allem auch betont werden, was für “klei­nes Geld” zu haben ist. Erfolge lassen sich erzielen, wenn die die Diskussion nicht von “Radikalis­ten” dominiert wird oder nicht parteipolitisch “eingefärbt” ist. Entscheidend sei gegenseitiges Zuhören. Bürger, Politiker und Verwaltungsbeschäftigte sollten sich auf Augenhöhe begegnen. Die vorgeschlagenen Ansätze sollten sinnvoll und umsetzbar sein. Bei allen Vorschlägen und Angeboten sind die begrenzten Möglichkeiten des Ehrenamtes zu berücksichtigen.
Die Entscheidungsträger könnten bei manchen Entscheidungen entlastet werden, wenn die Einbindung sachkundiger Bürger versucht und deren Expertise genutzt wird. Hierbei müsse neben dem Sachverstand berücksichtigt werden, dass die Experten politisch neutral sein sollten. Es stellte sich die Frage, wie man derartige Experten finden kann und wer diese zur Mitwirkung einladen sollte. Um eine Brücke zwischen Bürgern und Verwaltung zu schlagen, könnten auch Beiräte installiert werden und in den Beiratssitzungen Sachfragen besprochen werden. Auf politischer Ebene muss es zudem gelingen, die Differenzen zwischen den einzelnen Fraktionen im Stadtrat zu überwinden. Möglichst viele Entscheidungsträger sollten sich für die Transformation begeistern und Pioniere des Wandels besser unterstützen.

Download aller Mitschriften der “Wandelwerkstatt”

http://www.forum1punkt5.de/veranstaltungen/5-forum1-5/dokumente-2/

Weitere Links zum kommunalen und bürgerschaftlichen Engagement

https://skew.engagement-global.de/ Servicestelle Kommunen in der einen Welt
https://deinezukunft-as.de/Landkreis_Leitbild_web.pdf Leitbild Amberg-Sulzbach
https://www.lbe.bayern.de/-Landesnetzwerk Bürgerliches Engagement Bayern
https://www.kommunal-nachhaltig.de/home – Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung
https://kommunal-nachhaltig.de/kommunalzirkel – Kommunalzirkel
https://www.erneuerbar-mobil.de/aktuelles/carsharing-und-elektromobilitaet-ein-praxisleitfaden-fuer-kommunen
https://www.wirtschaftsfoerderungviernull.de/

Begriffe, die im Rahmen des Workshops oft genannt wurden

Transition Town

“Wie kann unsere Kommune auf die Herausforderungen und Chancen reagieren, die durch das Ölfördermaximum und den Klimawandel entstehen?” In Transition-Initiativen schließen sich Menschen zusammen, die sich dieser Frage annehmen und gemeinsam mögliche Lösungsansätze diskutieren und ausprobieren. Mehr Informationen zu dem Begriff sowie Projekten stehen auf der Internetseite des Netzwerks der Transition-Initiativen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. https://www.transition-initiativen.org/

Fair Trade Town

Fair-Trade-Town ist ein Zertifikat, das von TransFair, einem Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt e.V. vergeben wird. Fairtrade-Towns fördern gezielt Fairen Handel auf kommunaler Ebene und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich für Fairen Handel in ihrer Heimat stark machen. Grundlage der Zertifizierung sind fünf Kriterien, die das Engagement für den Fairen Handel in allen Ebenen einer Kommune widerspiegeln. Anstoßen kann den Prozess zur Fairtrade-Town jede Bürgerin und jeder Bürger. Weitere Informationen gibt es unter http://www.fairtrade-towns.de

CO2-Rechner

Der CO2-Rechner des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) bietet die Möglichkeit, den persönlichen Energiebedarf und die dadurch entstehenden CO2 -Emissionen abzuschätzen und dann die eigenen Werte mit dem deutschen Durchschnitt zu vergleichen. Ein Blick auf die persönliche Bilanz zeigt sofort die Auswirkungen des eigenen Handelns. Ergänzend gibt das LfU Tipps zur persönlichen Verringerung von Treibhausgasen. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein persönliches CO2-Konto anlegen und über einen längeren Zeitraum die Entwicklung der eigenen CO2-Emissionen und das Erreichen der persönlichen Ziele zu verfolgen. Der Rechner ist online erreichbar unter http://www.lfu.bayern.de/energie/co2_rechner/index.htm

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