
Mit dem Eichenprozessionsspinner ist nicht zu spaßen – der Spielplatz in Unterwaiz war kurzzeitig gesperrt
Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling
Biologisch gesehen ist der Eichenprozessionsspinner ein Schmetterling, genauer gesagt ein Nachtfalter, aus der Familie der „Zahnspinner“. Der Name kommt daher, weil die Raupen in ihrer Hauptentwicklungszeit von Mai bis Juni in einer langen Reihe, wie bei einer Prozession, vom Nest zur Futterquelle und wieder zurück wandern. Die bevorzugte Nahrung sind frische Eichenblätter. In dieser Phase sind die Tierchen auch am leichtesten zu erkennen. Die Raupen werden bis zu fünf Zentimeter lang, sind graubraun gefärbt und mit einem dunklen Rückenstreifen verziert. Sie leben in weißen bis silbrig-grauen Gesamtnestern an Eichenstämmen oder dicken Ästen, die oft aus Spinnfäden, Kot- und Häutungsresten gebaut werden. Ab Juli verpuppen sich die Raupen in ihren Nestern. Danach entsteht der Nachtfalter, der im Spätsommer von Juli bis August schwärmt.
Warum der Eichenprozessionsspinner die Gesundheit gefährden kann
Dazu muss man wissen, dass die eigentliche Gefahr nicht vom ausgewachsenen Falter ausgeht, sondern von den Raupen. Denn diese entwickeln ab dem dritten Larvenstadium Brennhaare, die mit einem Giftprotein namens Thaumetopoein versehen sind. Diese Haare sind extrem fein, können leicht abbrechen und werden vom Wind über weite Strecken verbreitet. Bei Hautkontakt oder Einatmen verursachen sie allergieähnliche Reaktionen. Als Symptome können Hautausschläge (Raupendermatitis), Juckreiz oder Quaddeln, Bindehautentzündung und Reizungen der Atemwege entstehen, verbunden mit Husten und Asthma-ähnlichen Beschwerden. In seltenen Fällen sind auch anaphylaktische Reaktionen bekannt.
Wie im Abschnitt eins erklärt, befinden sich die Lebewesen lediglich von Anfang Mai bis Ende Juni in der Raupenphase. Dennoch können die giftigen Härchen oft mehrere Jahre in alten Nestern oder am Boden verbleiben. Deshalb besteht auch nach der Raupenzeit ein gesundheitliches Restrisiko.
Welche Fachfirmen sich um die Entsorgung kümmern
In den meisten Fällen sind dies Baumpflegebetriebe oder Baumkletterer, die eine Zusatzqualifikation im Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner erworben haben. Teilweise übernehmen auch kommunale Dienste oder Forstbetriebe diese Tätigkeit. Für die Arbeiten ist eine spezielle Schutzausrüstung notwendig, da die Brennhaare giftig und leicht übertragbar sind. Zum einen wird ein partikeldichter Vollschutzanzug, ähnlich wie ein Chemikalienschutzanzug, benötigt. Dazu mehrlagige, reißfeste Handschuhe, mindestens eine FFP3-Maske oder ein Gebläsefilter mit P3-Filter, Schutzbrille und Kunststoffüberschuhe.
Für die eigentliche Arbeit benötigen die Fachleute einen starken Industriesauger mit HEPA-Filter zur Nestabsaugung, Abbindemittel welche die Nester vor dem Entfernen binden, sodass keine Haare freigesetzt werden und Spezialcontainer für die sichere Entsorgung der abgesaugten Reste. Von der Schutzkleidung und vom Arbeitsablauf her betrachtet, erinnert die Tätigkeit stark an eine Asbestentsorgung. Erschwerend kommt beim Eichenprozessionsspinner hinzu, dass die gefährliche Arbeit in mehreren Metern Höhe, bestenfalls auf einer Hebebühne, erledigt werden muss.
